So geht es mit dem EUR/CHF-Wechselkurs weiter
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Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
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So geht es mit dem EUR/CHF-Wechselkurs weiter

Der Euro-Franken-Kurs wartet darauf, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Karten auf den Tisch legt. Zwei Asse hat die 108-jährige Notenbank im Ärmel. Sie kann den Schweizer Franken erheblich abschwächen, indem sie den vor einem Jahr eingeführten Negativzins ein weiters Mal absenkt. Darüber hinaus steht die Nuklear-Option zur Verfügung.

Mächtig Staub wirbelte die Europäische Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag auf. Der Euro verbuchte gegenüber dem US-Dollar mit einem Anstieg von 1,05 auf 1,10 den stärksten Tagesgewinn seit sechs Jahren, nachdem Mario Draghi die von ihm angekündigten Lockerungen nicht durchsetzen konnte. In der Schweiz dürfte man Draghis Entmachtung mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen.

Der Schweizerischen Nationalbank blieben umfangreiche Stützungsmaßnahmen des Euro-Franken-Kurses im Zuge der EZB-Sitzung erspart. Allerdings ist die Kuh ist noch nicht vom Eis. Denn die SNB wird am Donnerstag auf ihrer vierteljährlichen Sitzung den unendlichen Hunger der Finanzmärkte nach mehr Billiggeld ein Stück weit bedienen müssen.

Bei der Credit Suisse rechnet man damit, dass SNB-Chef Thomas Jordan den Negativzins (aktuell: -0,75%) absenken wird. Darüber hinaus könnte die Notenbank die Erhebung des Negativzinses auf 100% der Sichteinlagen ausweiten (Nuklear-Option). Bisher wird der Negativzins lediglich auf ein Drittel aller Sichteinlagen in der Schweiz berechnet.

Senkt die SNB den Negativzins oder verbreitert sie die Erhebung selbigen auf 100%, dürfte das jede Menge Aufwärtspotential beim Euro-Franken-Kurs entfachen. Denn an den Finanzmärkten rechnet man nach den enttäuschenden Beschlüssen der EZB weder mit dem einen, noch dem anderen.


Jordan dürfte keines seiner Asse ausspielen. Aus seiner Sicht ist es sinnvoller die Trümpfe für schlechte Zeiten aufzubewahren. Denn die Ölpreise sind gerade auf neuen Redkordtiefs gesunken, was das EZB-Präsidentenduo zum Anlass nehmen könnte, neue Deflationsrisiken für den Euroraum auszurufen, um die Geldpolitik 2016 weiter zu lockern.

Für die SNB ist es aus taktischer Sicht sinnvoller, die Geldpolitik über die Erwartungskomponente zu lockern. Mit einer "getunten" Inflationsprognose lässt sich dieses Ziel am besten erreichen. Bisher erwartet die SNB, dass die Inflation in der Schweiz Anfang 2017 wieder positiv wird. Diese Vorhersage ließe sich problemlos auf Ende 2017 nach hinten verschieben.

Gemäß den neuen Inflationsprognosen der EZB wird die Teuerung im Euroraum bis 2017 auf 1,6% steigen. Aus den unterschiedlich Inflationspfaden würden die Finanzmärkte schlussfolgern, dass die EZB vor der SNB anfangen wird, die Geldpolitik irgendwann zu straffen. Der Euro-Franken-Kurs hätte Spielraum etwas zu steigen.