Obama und Weidmann greifen ein, Yellen zaudert
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Eurozone kann verbleibende Zweifel nicht ausräumen...>
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Obama und Weidmann greifen ein, Yellen zaudert

Fed-Chefin Yellen ist eine Person, die es mag, drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Dass sie die Zinsen anhebt, ohne die Finanzmärkte hinreichend vorbereitet zu haben, entspräche nicht ihrem Charakter, twitterte der renommierte Fed-Beobachter Jon Hilsenrath vom "Wall Street Journal" vor dem Zinsentscheid. Er sollte recht behalten. Indes wird der Schweizer Franken stärker, obwohl sich die Bundesbank gegen eine Ausweitung der Staatsanleihe-Käufe in Stellung bringt.

Dass die Zinswende in den USA ausbleiben musste, wollen einige Experten auch an einer Nachricht von US-Präsident Barack Obama erkannt haben. Er twitterte zwei Tage vor dem Zinsentscheid: "Wir haben die Arbeitslosenrate von 10% auf 5,1% verringert - und wir sind noch nicht fertig."

Barack Obama machte Janet Yellen zur Fed-Chefin. Diese scheint sich nun dafür zu bedanken. Hätte es eine Zinserhöhung gegeben, wäre die Gefahr groß, dass die USA vor dem Ende von Obamas Amtszeit in eine wirtschaftliche Abkühlung gerieten.

Die Börsen reagieren mit Kursverlusten auf die neuen Konjunkturprognosen der US-Notenbank. Die Fed setzt ihre Prognose für 2016 von 2,5% auf 2,3% herab. Für 2017 geht man beim Wachstum von 2,3% auf 2,2% nach unten.

In den letzten Jahren haben sich die Vorhersagen regelmäßig als zu hoch angesetzt herausgestellt. Das sei auch dem Umstand geschuldet, dass sich die USA als besonders dynamischer Wirtschaftsraum unter den Industrieländern präsentieren müssen, um genügend ausländische Gelder zur Finanzierung ihres hohen Handelsdefizites anzulocken, sagen Kritiker.

"Billiges Geld bringt nichts"

Am Devisenmarkt steigt wieder das Interesse am Schweizer Franken. Sowohl der Dollar als auch der Euro geben nach. Der USD/CHF-Kurs sinkt mit 0,95 auf den tiefsten Stand seit drei Wochen. Der EUR/CHF-Kurs fällt von 1,1050 auf 1,0895.

"Vorerst deuten die Äußerungen der SNB darauf hin, dass EURCHF in seiner derzeitigen Bandbreite von 1,05-1,10 verharren wird. Für das nächste Jahr, wenn die Inflation in Europa hoffentlich ansteigt und die Märkte über das Ende der QE diskutieren, prognostizieren wir einen Anstieg in den Bereich von 1,08-1,13", schreibt das Wealth Management der UBS.

Die Prognose steht auf wackeligen Beinen. Derzeit diskutieren die Märkte nicht über ein Ende der Käufe von Staatsanleihen (QE), sondern über eine Ausweitung. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) plant noch mehr Geld zu drucken, darauf deuten Bemerkungen von Bundesbankchef Jens Weidmann hin. Das ganze billige Geld bringe doch nichts, schilderte Weidmann in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Weidmann, der ein erklärter QE-Gegner ist, bringt sich damit schon einmal in Stellung. Im Falle einer Ausweitung der Käufe von Staatsanleihen dürfte er nicht so schnell klein bei geben wie beim Start des Programms.