Auf die Schweizer Notenbank wartet ein goldenes Halsband
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Auf die Schweizer Notenbank wartet ein goldenes Halsband

Die Schweizerinnen und Schweizer schauen ihren Währungshüter seit knapp zwei Jahren ganz genau auf die Finger. Ein Teil der Bevölkerung scheint das Vertrauen in die 107-jährige Schweizerische Nationalbank (SNB) verloren zu haben. Zum einen hat die SNB die Geldmenge seit der Finanzkrise zum Unbehagen vieler Sparer kräftig ausgeweitet. Zum anderen vertraute man die Geschicke der SNB zeitweise einem früheren Hedgefonds-Manager an, der über einen Devisenskandal seiner Frau stolperte.

Um den Schweizer Franken soll ein goldenes Haus gebaut werden. Die am 30. November 2014 stattfindende Abstimmung "Rettet unser Schweizer Gold" ist längst zu einer Abstimmung -die ärgsten Kritiker nennen sie gar eine Abrechnung- über den Mindestkurs geworden. Sollten sich die aus dem Lager der Schweizer Volkspartei (SVP) kommenden Befürworter, die schon so manchen Volksentscheid durchboxten und damit im Ausland für Verwunderung sorgten, durchsetzen, gelten folgende Regeln:

  • Die Nationalbank muss 20 Prozent ihrer Vermögensgegenstände in Gold anlegen (derzeit sind es ca. 7 Prozent).
  • Die Goldreserven werden unverkäuflich.
  • Das Gold soll ausschließlich in der Schweiz gelagert werden (und nicht länger in Ländern wie Großbritannien und Kanada).

Viele Ökonomen sagen, dass der Mindestkurs bei einer Annahme der Goldinitiative nicht mehr aufrecht zu erhalten wäre. Dem halten die Optimisten, die einen Anstieg des Euros auf 1,27-1,30 Franken prognostizieren, entgegen, dass die Fähigkeit die Euro-Untergrenze bei 1,20 Franken am Devisenmarkt durchzusetzen wegen der langen Übergangsfristen nicht beeinträchtigt werden würde.

Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Die Devisenexperten vieler Banken lieben es Extrempositionen einzunehmen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu locken. Man verspricht sich davon höhere Handelsumsätze der Kunden, was gleichzeitig höhere Bonuszahlungen zur Folge hat.

Am 9. Januar 2012 trat der Vorgänger von Thomas Jordan auf dem Chefsessel der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, zurück. Zuvor gab es eine monatelange Schlammschlacht über auffällige Devisentransaktionen seiner Frau. Das damals in der Öffentlichkeit verspielte Vertrauen konnte die SNB bis zum heutigen Tag nicht zurückgewinnen.

Daher ist es gut möglich, dass Jordan nun ein goldenes Halsband in Form eines Ja zur Goldinitiative bekommt. Wie sehr die Nationalbank zittert, zeigt, dass sie öffentlich gegen die Goldinitiative massiv Stellung bezogen hat. Normalerweise müsste sie sich heraus halten, zumal es Aufgabe des Gesetzgebers und damit des Schweizer Volkes ist, unter welchen Rahmenbedingungen die SNB eine möglichst unabhängige Geldpolitik betreibt.