Banken plaudern aus dem Nähkästchen über Franken-Kredite
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Banken plaudern aus dem Nähkästchen über Franken-Kredite

Die Lage von Franken-Kreditnehmern ist angespannt. Obwohl sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) für Euro Wechselkurse über 1,20 Franken verbürgt, gibt es keine Garantie, dass es nicht doch irgendwann zu einem Absturz kommt. Genau mit dieser Angst scheinen einige Banken, die ihre Kunden in einen Euro-Kredit lotsen wollen, zu spielen.

"Konvertieren Sie Ihren Schweizer-Franken-Kredit. Daran führt kein Weg vorbei", war der Name einer Veranstaltung der Raiffeisen Landesbank Kärnten. Langfristig werde sich der Schweizer Franken dem Euro angleichen. Daran könne auch die Schweizerische Nationalbank nichts ändern, sagte Peter Brezinschek, Chef von Raiffeisen Research, der dem Informationsabend (externer Link) beiwohnte.

Sollte die Schweizerischen Nationalbank, aus welchen Gründen auch immer, gezwungen sein den Mindestkurs aufzugeben, könnte der Euro dem Tief vom August 2011 bei 1,01 Franken einen Besuch abstatten.


Für einen Kunden, der sich im Jahr 2002 zum Gegenwert von 100.000 Euro verschuldete, würden sich die Verluste mehr als verdoppeln. Ausgehend von einem damaligen Wechselkurs von EUR/CHF 1,45 hat sich die Kreditschuld wegen des sinkenden Euro-Franken-Kurses bis dato auf 120.000 Euro erhöht. Sollte EUR/CHF erneut 1,01 erreichen, stünde der Kunde mit knapp 144.000 Euro unter Wasser.

Auch wer in einen Euro-Kredit konvertiert, dem ist paradoxerweise ein Umrechnungskurs von EUR/CHF 1,20 nicht sicher. "Obwohl der Wechselkurs bei 1,20 lag, hätte ich bei der Konvertierung eines Erste-Bank-Kredits nur einen Wechselkurs von 1,193 bekommen", erzählt der Fremdwährungsexperte Gerhard Massenbauer von dem Wiener Vermögensverwalter Censeo aus dem Nähkästchen (externer Link).

Wer trotz den verlockenden Euro-Zinsen nicht konvertieren will, dem stehen zwei Stellschrauben zur Verfügung. Einen endfälligen Franken-Kredit kann man auf reguläre Ratenzahlung umstellen, um die Kreditschuld allmählich abzutragen. An dieser Stelle kommt zugleich die zweite Stellschraube, der Tilgungsträger ins Spiel.

Bei einer Umstellung auf eine Ratenzahlung werden sich viele Kreditnehmer nicht länger die Ansparung des Tilgungsträgers leisten wollen. Eine Möglichkeit wäre den Tilgungsträger stillzulegen. Der Erlös wird nicht benutzt, um die Kreditschuld in Franken zu verringern, weil sich an dieser Stelle die Katze durch den niedrigen EUR/CHF-Kurs wieder in den Schwanz beißt.