Ist der Franken noch ein Sicherer Hafen?
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Ist der Franken noch ein Sicherer Hafen?

Der Schweizer Franken bekomme mit dem Bitcoin einen Nebenbuhler, sagt der früherer Chef der beiden größten Banken der Schweiz. Die Sicheren-Hafen-Qualitäten der eidgenössischen Währung haben zwar gelitten. Sie sind aber nach wie vor vorhanden. Während Gold in den vergangenen Wochen den steilsten Anstieg seit sieben Jahren hinlegte, schwächte sich der Franken zeitweise auf 1,1770 per Euro ab.

Die Kryptowährung Bitcoin könne zu dem werden, was der Schweizer Franken einmal war: Ein Sicherer Hafen für Anleger, sagt Oswald Grübel, Ex-Chef von Credit Suisse und UBS, im Gespräch mit der Zeitung Zentralschweiz am Sonntag. "Vielleicht sind Bitcoin das Gold der jüngeren, global agierenden Generationen", so Grübel. Man dürfe den Bitcoin nicht als Blase abtun.

Genau das machen aber die Notenbanker. Fast täglich melden sich die Professoren zu Wort und lästern über den Bitcoin. Thomas Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), spricht dem Bitcoin seinen Währungscharakter ab. Der Bitcoin-Hype sei eine Gefahr für die Finanzstabilität, sagte gerade erst EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch der deutschen Börsen-Zeitung.

"Something for Nothing"

Was Mersch behauptet, ist befremdlich. Auf der einen Seite zu sagen, der Bitcoin, der auf knapp 200 Milliarden Euro Marktkapitalisierung kommt, sei gefährlich, aber auf der anderen Seite die Risiken der EZB-Geldpolitik völlig auszublenden, ist ein starkes Stück. In ihrem abgeschotteten Glaspalast in Frankfurt glauben die Notenbanker offenbar fest daran, sie würden mit ihrer Philosophie Something for Nothing durchkommen.

Man meint mit der Notenpresse ein Perpetuum Mobile der Geldpolitik erfunden zu haben. Alle werden mit Papiergeld gesegnet, das man sich kostenlos und jederzeit selbst macht.

Die Euroländer bekommt also Something in der Form von Wirtschaftswachstum und vorgegaukelter Tragfähigkeit ihrer Schulden, müssen dafür aber Nothing geben. Papiergeld lässt sich noch schneller hochziehen als Unkraut. Dass dieses System in der langen Sicht nicht trägt, zeigen Weimarer Republik, lateinische Münzunion und unzählige weitere Beispiele.

"Der Kursanstieg von Bitcoin sagt uns klar, dass viele Menschen nicht mehr an ihre Notenbanken und an das herkömmliche Papiergeld glauben", erklärt Grübel. Der Goldpreis kletterte in den letzten drei Wochen von 1.236 US-Dollar/Feinunze auf 1.321 Dollar (+6,88%). Der Franken hat gegen den Dollar, trotz steigender US-Zinsen, 2,5% aufgewertet. Der Eindruck, dass der Schweizer Franken seinen Status als Sicherer Hafen eingebüßt hat, weil er auf den Euro verloren hat, täuscht somit ein wenig.