EUR/CHF steigt, wenn Europäer QE-Waterloo noch abwenden
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EUR/CHF steigt, wenn Europäer QE-Waterloo noch abwenden

Der Euro etabliert sich aktuell bei 1,10 Franken. Er liegt damit einigermaßen komfortabel über der Marke von 1,06, wo die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu Jahresbeginn zur Stützung des Wechselkurses eingegriffen hatte. Der EUR/CHF-Kurs hat zuletzt immer wieder angedeutet, als nächstes die Marke bei 1,15 in Angriff nehmen zu wollen. Dafür braucht er grünes Licht aus Frankfurt.

"Konservativ sein, heißt, an der Spitze des Fortschritts zu stehen." Es ist höchste Eisenbahn, dass sich die Euro-Währungshüter den zweiten Teil des legendären Spruchs von Franz Josef Strauß zu Herzen nehmen. Weil Mario Draghis EZB veralteten Doktrin nachhängt, gibt es nicht nur eine große Rückständigkeit. Die EZB spielt mit dem Feuer.

Es geht um die Inflation, die einzige Nadel im EZB-Kompass, wie es der frühere Notenbankchef Jean-Claude Trichet unlängst betonte. Bei der EZB hat man eine klare Vorstellung darüber, was Inflation schafft. Chefvolkswirt Peter Praet, nach Draghi der zweitmächtigste Euro-Währungshüter, legte dem belgischen Nachrichtenmagazin Knack den EZB-Ansatz dar:

"Wenn du genügend Geld druckst, wirst du immer Inflation bekommen. Immer."

In den USA sieht man das zunehmend anders. Praets althergebrachte Regel funktioniere seit der Finanzkrise nicht mehr. Leute wie Draghi und Yellen wollten oder könnten das aber nicht akzeptieren, so das Kredo. "Negative Zinsen sind per Definition Deflation", sagte der einflussreiche Anleiheinvestor Jeffrey Gundlach von DoubleLine vor einem Jahr.

"Niedrige Zinsen und Quantitative Lockerungen verursachen Deflation", erklärt Christopher Whalen, ein früherer Offizieller der US-Notenbank (Fed) von New York. Die Notenbanker, die derzeit in Amt und Würden seien, kapierten nicht, dass sich die Regeln, was Inflation erzeugt und was nicht, geändert hätten, sagt Whalen dem Finanzsender CNBC.

Ein gängiger Vorwurf: Die EZB halte mit ihrem Billiggeld die Produktionskapazitäten künstlich hoch, weil sich Unternehmen mit Billigkrediten durchwursteln können, die eigentlich vom Markt verschwinden müssten. Dadurch gebe es ein Überangebot von Waren und Dienstleistungen, was die Preise drücke und zu Deflation führe.

Von alledem will Mario Draghi nichts wissen. Er pumpt weiter Geld und verankert die Euro-Inflation unter 1%. Für einen Anstieg auf 2% bräuchte es aber höhere Zinsen und mehr Marktwirtschaft. Anders als die US-Notenbank (Fed) forscht die EZB auch nicht auf dem Gebiet. Wahrscheinlich würde ihr nicht gefallen, was dann zu Tage käme:
  • Weil viele ältere Arbeitnehmer mit hohen Löhnen in den Ruhestand gehen und die Jungen mit tiefen Löhnen in die Berufswelt einsteigen, sinkt die Inflation.
  • In einer Zeit, in der Verbraucher und Unternehmen den niedrigsten Preis für eine Ware oder Dienstleistung in sekundenschnelle im Internet auffinden, haben Erzeuger weitaus weniger Preiserhöhungssspielraum als vor 15 Jahren, als die EZB ihr 2%-Inflationsziel festschrieb.
  • Der von China ausgehende Rohstoffboom, der mit dem WTO-Beitritt des Landes 2001 begann und bis 2011 die Inflation in Europa anschob, ist vorbei.

QE-Waterloo

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Irgendwann werden sie in der Eurozone auf den Trichter kommen, dass das, was Draghi macht, genauso schief gehen muss, wie das künstliche Starkmachen der eigenen Landeswährungen in den 1990er-Jahren. George Soros hat den Briten seinerzeit gewissermaßen die Leviten gelesen, sich mit ihrem Pfund nicht hübscher und stärker zu machen, als sie tatsächlich sind.

Die EZB tut mit ihren Zinsmanipulationen genau dasselbe, was die Briten einst versuchten. Sie macht Länder wie Italien, Spanien und Portugal hübscher als sie sind. Es ist aber vollkommen abwegig, dass spanische Staatsanleihen, die nahe am Ramschniveau sind, niedrigere Zinsen haben als US-Staatsanleihen, die die zweitbeste Bonitätsnote aufweisen und von der ganzen Finanzwelt gebraucht werden.

Es gibt inzwischen Anzeichen, dass die Europäer einem zweiten Soros-Waterloo noch entrinnen möchten. Frankreich hat seine Blankvollmacht für die EZB zurückgenommen. Zeigen Deutschland und Frankreich Draghi das Stoppschild, dürfte der Euro gegen den Franken kräftig zulegen. Ob die Franzosen, die wegen ihren hohen Staatsschulden dazu neigen, Draghi gewähren zu lassen, zu einem solchen Schritt bereit sind, ist aber völlig offen.