Endlich Klarheit für Franken-Kreditnehmer in Österreich
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Endlich Klarheit für Franken-Kreditnehmer in Österreich

Geld verdienen an ihren Darlehen können Österreichs Franken-Kreditnehmer nicht. Das sagt der Oberste Gerichtshof (OGH). Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Endlich Klarheit gibt es bei der Berechnung der Zinsen. Betroffene Kreditnehmer erhalten Rückzahlungen in Höhe mehrerer Tausend Euros.

Der Wegfall des Mindestkurses war für Franken-Kreditnehmer eine schlechte Nachricht. Der Wegfall des Mindestaufschlag ist hingegen eine gute Nachricht.

Ein Beispiel:
Der CHF 1-Monats-Libor liegt aktuell bei -0,79%. Ein Franken-Kreditnehmer hat bei einer Kreditsumme von 150.000 Franken einen Zinsaufschlag von 0,80% in seinem Vertrag stehen. Er muss so gut wie keine Zinsen zahlen:
  • CHF 1-Monats-Libor -0,79% plus Zinsaufschlag 0,80% = 0,01% Kreditzins
  • 0,01% von 150.000 Franken = 15 Franken pro Jahr (p.a. - per annum)
  • 15 Franken geteilt durch 4 = 3,75 Franken pro Quartal
  • 3,75 Franken zum aktuellen EUR/CHF-Kurs von 1,0850 = 3,46 Euro

Nicht wenige Banken in Österreich wollten sich an die Grundrechenarten nicht halten, und so führte sie einen Mindestaufschlag ein. Diese Geldhäuser behaupteten: Es sei nicht vertragsgemäß, dass Kreditnehmer in den Genuss eines negativen CHF 1-Monats-Libor (oder CHF 3-Monats-Libor, Euribor) kommen, mit dem sie ihre Zinslast auf gegen Null reduzieren können.
  • 0% (statt -0,79%) plus Zinsaufschlag 0,80% = 0,80% Kreditzins
  • 0,80% von 150.000 Franken = 1.200 Franken pro Jahr (p.a. - per annum)
  • 1.200 Franken geteilt durch 4 = 300 Franken pro Quartal
  • 300 Franken zum aktuellen EUR/CHF-Kurs von 1,0850 = 276,50 Euro

Diese Berechnungsmethode befand der Oberste Gerichtshof (OGH) nun für rechtswidrig. Banken, die sich weigerten Negativzinsen weiterzugeben, haben ihren Kunden demzufolge zu viel Zinsen abgeluchst.

Es geht für die betroffenen Franken-Kreditnehmer um einen Zeitraum von gut zweieinhalb Jahren. Im 4. Quartal 2014 waren die Zinsen in der Schweiz in den negativen Bereich gefallen. Dies führte dann oft zu einem Einfrieren seitens der Banken bei 0%. Obiger Franken-Kreditnehmer würde demnach etwa zehn Quartale zu viel bezahlte Zinsen zurückbekommen, also ca. 2.770 Euro.

Mit Kredit etwas verdienen

Hat ein bonitätsstarker Schuldner in seinen Vertrag einen Zinsaufschlag von lediglich 0,60% stehen, müsste er theoretisch mit seinem Kredit etwas verdienen:
  • CHF 1-Monats-Libor -0,79% plus Zinsaufschlag 0,60% = -0,19% Kreditzins
  • -0,19% von 150.000 Franken = 285 Franken pro Jahr (p.a. - per annum)
  • -285 Franken geteilt durch 4 = -71,25 Franken pro Quartal
  • -71,25 Franken zum aktuellen EUR/CHF-Kurs von 1,0850 = -65,67 Euro

Die Bank schuldet dem Kreditnehmer demnach knapp für jedes Quartal 66 Euro an Zinsen. Sie muss aber nichts bezahlen/Kreditnehmer können nichts verdienen, sagt der OGH. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) könnte das noch kippen. Der EuGH erklärte vor kurzem eine Mindestzinsklausel in Spanien, die dort vom obersten Gerichtshof zunächst bestätigt wurde, für unwirksam.