Euro am purzeln - Macron-Schub wird rückabgewickelt
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Tücken des deutschen Wahlergebnis für den EUR/CHF-Kurs...>
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Euro am purzeln - Macron-Schub wird rückabgewickelt

Die EZB sieht Licht am Ende des Tunnels, trotzdem sinkt der EUR/CHF-Kurs auf 1,0833. So günstig konnten Schweizer Einkaufstouristen zuletzt Anfang Mai in Deutschland und Österreich zuschlagen. An den Aktienmärkten wartet man auf neue Rekordhochs. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Irgendwann beginnt die Panik und es heißt: Rette sich wer kann.

Der EUR/CHF-Kurs unternimmt den nächsten Tauchversuch, um unter 1,0830 zu gehen. An der Unterstützung ist er seit dem Macron-Schub bereits dreimal nach oben zurückgeprallt. Diesmal ist die Price Action jedoch stärker nach unten gerichtet als die die letzen Male, weshalb es eng wird. Eine allerletzte Verteidigungslinie liegt bei 1,0810. Sollte auch die nicht halten, wäre wohl ein Rückfall auf 1,07 unvermeidbar.


"Wenn der Tag kommt, werden wir auf die Inflation schauen und entsprechend handeln - egal, ob sich Regierungen deswegen beschweren", sagt EZB-Chefvolkswirt Peter Praet dem Magazin "Der Spiegel". Die breite Konjunkturerholung werde dazu beitragen, eine Wende in der Geldpolitik einzuleiten, prophezeit der in Deutschland geborene Belgier.

"Notenbanker, trotz all ihre Fehler, sind auch nicht doof." Ihnen graue es vor der nächsten Rezession, weshalb sie Geld drucken und laufend intervenieren, heißt es in einem interessanten Artikel über die explosive Gemengelage 🔗 "Stock-market bulls are playing with fire". Wer den Artikel liest, erfährt, warum ein Engagement am Aktienmarkt gefährlich ist. Ziehe man die Aufblähung ihrer Bilanzsumme heran, sei die EZB verrückt geworden, heißt es ferner.

Davon will Praet nichts wissen. Er behauptet keck: Die EZB sei nicht dazu da, Regierungen günstige Finanzierungsbedingungen zu sichern. Praet hat auch einmal von sich in einem Interview gesagt, er sei ein Falke, also ein Verfechter einer straffen Geldpolitik. Seitdem er allerdings EZB-Chefvolkswirt ist, hat er Entscheidungen herbeigeführt, die Bilanzsumme der EZB von 2,7 auf 4,2 Billionen Euro (+55,6%) zu erhöhen.

Damit geht das Rätselraten über die wahren Motive der Notenbanker weiter:
  • SNB-Chef Jordan und Praet sind Volkswirtschafts-Professoren mit Lehrauftrag. Sie glauben womöglich, ihnen könne niemand das Wasser reichen.

  • EZB-Chef Draghi ist ein geschmeidiger Autokrat. Für diese These sprechen zwei Beobachtungen: Nachdem die EZB vor knapp zweieinhalb Jahren auf einer denkwürdigen Notenbanksitzung beschloss, Staatsanleihen aufzukaufen, erteilte Draghi Bundesbankchef Weidmann einen Maulkorb. Weidmann wollte an jenem Donnerstag im ZDF heute journal seinen Landsleuten den denkwürdigen Schritt erklären und womöglich auch kritisieren. Er musste das Interview auf Druck von Draghi absagen. Ferner soll Draghi jedwede Diskussion innerhalb der EZB über eine Verringerung der Anleihekäufe (Tapering) verboten haben.

  • Europäische Notenbanker sind empfindliche Bürokraten: Werden die EZB-Direktoren kritisiert, behaupten sie gerne, dass dies die Unabhängigkeit der Notenbank beschädige.

  • Für Draghi, Jordan und Co. ist es besser bis zum Ende ihrer Amtszeiten zur Vermeidung eines Börsenbebens kräftig Geld zu drucken. Die Schuld an den unvermeidbaren späteren Finanzcrashs lässt sich so leichter den Nachfolgern in die Schuhe schieben.