Franken-Kreditnehmer: Das Lächeln wird breiter
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Franken-Kreditnehmer: Das Lächeln wird breiter

Für Häuselbauer oder Immobilienkäufer, die einen Schweizer-Franken-Kredit am laufen haben, hellt sich die Lage auf. Momentan findet die lang herbeigesehnte Trendumkehr beim EUR/CHF-Kurs statt. Hinzu kommt: Die spekulativen Schuldner, also jene, die ihren Kredit mit einem Aktienfonds oder Mischfonds als Tilgungsträger verbandelten, holen besonders viel auf.

"Die Haushalte spekulieren offenbar gerne." Das sagte unlängst der Vizerektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Stefan Pichler, mit Blick auf die Situation der Fremdwährungskredite auf einer Veranstaltung zusammen mit OeNB-Chef Ewald Nowotny. Knapp ein Drittel der Franken-Kreditnehmer in Österreich war ein Darlehen in ausländischer Währung nicht genug. Sie gingen zusätzlich noch in Aktien und werden jetzt doppelt belohnt.

Zum einen hilft ihnen, wie Franken-Kreditnehmern mit Lebensversicherung und Garantiezins als Tilgungsträger, der Anstieg des Euros von 1,0650 auf 1,09 Franken. Zum anderen profitieren sie von der Entwicklung des ATX. Der österreichische Aktienindex hat in den letzten elf Monaten die beste Performance im internationalen Vergleich hingelegt. Der ATX kletterte von 1.988 Punkten Ende Juni 2016 auf 3.161 Zähler Ende Mai 2016.


Franken-Kreditnehmer mit einem aktienbasierten Tilgungsträger und ATX-Exposure können sich demnach im Idealfall über Kursgewinne von 59% freuen. Damit lässt es sich gleich viel leichter zur Bank gehen. Denn die muss nach neuer Verordnung der Finanzmarktaufsicht (FMA) Schuldner, deren Fremdwährungskredite in den nächsten sieben Jahren fällig werden, zu einem persönlichen Gespräch einladen.

Mit einem netten Plausch ist es aber nicht getan: "Überdies ist anhand von zumindest zwei unter realistischen Annahmen erstellten Szenarien eine etwaige prognostizierte Deckungslücke auf Laufzeitende darzustellen", heißt es in einer Aussendung der FMA. Wegen den Wertsteigerungen aktienbasierter Tilgungsträger und des Euros gegen den Franken verkleinern sich die Deckungslücken.

Dadurch sinkt der Anreiz eine Konvertierung in einem festverzinslichen Euro-Kredit (einen Kredit, wie ihn die Deutschen lieben, weil er keinerlei Spekulationselement enthält) anzugehen. An dieser Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn die im ATX gelisteten Banken würden ihre Ertragskraft steigern, könnten sie möglichst viele Konvertiten anwerben.

Für Franken-Kredite müssen Banken mehr Eigenkapital vorhalten als für Euro-Kredite. Dies mindert wiederum ihre Ertragskraft und verhindert einen noch steileren Anstieg der Aktienkurse. Allerdings haben die Papiere von Erste Group und Raiffeisen in den letzen zehn Monaten mit Kursgewinnen von 78-119% den ATX bereits in den Schatten gestellt.

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