Euro-Anstieg auf 1,09 Franken kein Selbstläufer
+++ Euro erholt sich von 1,1410 auf 1,1460 Franken +++
Tücken des deutschen Wahlergebnis für den EUR/CHF-Kurs...>
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Euro-Anstieg auf 1,09 Franken kein Selbstläufer

Der EUR/CHF-Kurs steigt auf knapp 1,09, nachdem Emmanuel Macron die Wahlen in Frankreich gewinnt. Wie geht es jetzt weiter? Kann der Euro die in den letzten zwei Wochen gegenüber dem Schweizer Franken erzielten Gewinne verteidigen und weiter steigen? Oder geht ihm die Luft aus und es kommt zu einem Rückfall auf 1,06-1,07?


Mit der Präsidentschaftswahl ist es noch nicht getan. Macron muss mit seinem Bündnis "En Marche" bei den im Juni anstehenden Parlamentswahlen stärkste Kraft werden. Dann gilt es einen Premierminister zu ernennen, der seine Reformvorhaben umsetzt. Auf der anderen Seite dürften ihn Frankreichs Konservative bei vielen Reformen, die der Wirtschaft zu gute kämen, unterstützen.

Ob von Frankreich ein Ruck ausgeht, bleibt abzuwarten. Die Finanzmärkte werden der Eurozone keinen Freifahrtschein ausstellen, nur weil es die Euro-Gegnerin Le Pen nicht geschafft hat. Die Währungsunion muss bei den Konjunkturdaten weiter liefern. Nur dann hat der Euro eine Chance auch über 1,10 Franken zu steigen.

Im ersten Vierteljahr beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone auf 0,5% (0,4% in Q4/2016). Die deutsche Wirtschaft dürfte gar ein Plus von 0,6% geschafft haben. Dies entspräche einer aufs Jahr hochgerechneten Wachstumsrate von 2,4%. Das Potenzialwachstum Deutschlands, also jenes Wachstum, welches die Wirtschaft bei einem normalen Auslastungsgrad imstande ist zu erreichen, ist aber nur halb so hoch.

Gemäß einer Studie von Ernst & Young profitierten die Dax-Konzerne im ersten Quartal von der guten Entwicklung in Europa und China, dem schwachen Euro und Umsatzsteigerungen im hohen einstelligen Bereich auf dem nordamerikanischem Markt. Ob sich dieses Tempo fortsetzen lässt, ist fraglich. Der Euro hat inzwischen gegen US-Dollar und asiatische Währungen zugelegt.

Ferner sich die Metallpreise seit Mitte Februar am sinken, was zusammen mit schwächeren Einkaufsmanagerdaten aus dem chinesischen Dienstleistungssektor auf eine Wachstumsverlangsamung Chinas hindeutet. Eine weitere Herausforderung für den EUR/CHF-Kurs ist der in den letzten Wochen von 57 US-Dollar auf 49,50 Dollar gesunkene Ölpreis.

Zusammen mit dem stärkeren Euro dämpft das billige Öl die Inflationsrate in der Eurozone. EZB-Leitzinserhöhungen rücken damit noch weiter in die Ferne. Für den EUR/CHF-Kurs wäre der Ausblick auf eine alternativlose Null- und Negativzinspolitik (nach japanischem Vorbild) ein triftiger Grund wieder abzutauchen.