Kann sich Euroland Stabilität erschummeln? Ein Pro und Contra
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Kann sich Euroland Stabilität erschummeln? Ein Pro und Contra

Eine solche Gelegenheit lässt sich Mario Draghi nicht entgehen: Der EZB-Chef bekommt eine Abschwächung des Euros auf dem Silbertablett serviert. Der Italiener lässt keine Gelegenheit ungenutzt, um mit Wechselkurs-Kniffen den Euro nach unten zu drücken. Seit drei Jahren geht das so. Bei Zinsen und Staatsschulden wird noch mehr geschummelt. Knallt es irgendwann oder kommen die Europäer mit ihren Taschenspielertricks davon?

Die US-Notenbank (Fed) macht mit dem Ende der ultralockeren Geldpolitik ernst. Neben den Zinserhöhungen will Janet Yellen die mit Staatsanleihen und Hypothekenpapieren überfrachtete Fed-Bilanz verringern. Von der Fed gehaltene Anleihen, die auslaufen, sollen nicht mehr überrollt werden. Bisher werden Zinsen und Tilgung, die die Fed kassiert, in den Kauf neuer Staatsanleihen gesteckt.

Mario Draghi nimmt das Thema dankbar auf. Er sagt: Seine EZB hätte noch nicht genügend Hinweise gesammelt, um eine Neubewertung der Inflation vorzunehmen. Die Inflationsdynamik sei "abhängig von der Fortsetzung unserer aktuellen Geldpolitik". Das heißt: Die EZB hält an der ultralockeren Geldpolitik fest.

Am Devisenmarkt wird der Euro daraufhin in die Zange genommen. Gegenüber dem Franken fällt er erneut unter 1,07. Der EUR/USD-Kurs sinkt während Draghi redet ein halben Cent auf 1,0630. Vor drei Jahren war 1 Euro noch 1,40 US-Dollar wert gewesen. Dann beschloss Draghi der Eurozone eine Weichwährung überzustülpen. Er läutete das Zeitalter ein, in dem Staaten über die Notenpresse finanziert werden.

Toxische Schulden

"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Märkte die Nachhaltigkeit der Eurozone wieder hinterfragen", sagt der griechischen Finanzexperte Athanasios Vamvakidis von der Bank of America. Südeuropäische Länder wie Griechenland, Italien, Spanien oder auch Frankreich drohen an ihren hohen Schulden zu ersticken, heißt es in dem Research-Papier, das dem Magazin Focus vorliegt.

So wie beim Wechselkurs hat die EZB bei den Zinsen getrickst. Das Ergebnis: Länder wie Spanien müssen heute weniger Zinsen zahlen als 2008, obwohl ihre Staatsschulden bis zu dreimal so hoch sind.
  • Das sei kein Problem, argumentieren die Befürworter des Draghi-Kurses. Schließlich könne die EZB die Zinsen nach japanischen Vorbild jahrzehntelang extrem tief halten.
  • Dem sei nicht so, sagen die Gegner der Draghi-Politik. Weil die Fed die Zinsen erhöhe, müsse die EZB auch irgendwann höhere Zinsen zulassen. Täte sie das nicht, würde massiv Kapital aus der Eurozone abfließen.

Es läuft darauf hinaus, dass die Eurozone eine Schenkungseinrichtung (Europäischer Währungsfonds) installiert, die die Südländer mit Geld aus dem Norden versorgt. Im Gegenzug bekommen Deutschland, Niederlande und Österreich von der EZB etwas höhere Zinsen.