Hängt die Gemeinschaftswährung in 3 Monaten am Galgen?
+++ Euro erholt sich von 1,1410 auf 1,1460 Franken +++
Tücken des deutschen Wahlergebnis für den EUR/CHF-Kurs...>
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Hängt die Gemeinschaftswährung in 3 Monaten am Galgen?

Der EUR/CHF-Kurs purzelt Richtung neues Jahrestief. Am Staatsanleihen-Markt herrscht Krisenstimmung. Sieht man genau hin, schwebt der Euro in Lebensgefahr. Bereits in drei Monaten kann die Gemeinschaftswährung am Galgen hängen. Nun rächt es sich, dass man jahrelang die Probleme unter den Teppich gekehrt hat und der Politik mit Notenbankgeld Zeit gekauft hat, anstatt eine Modernisierung des Währungsraums anzugehen.

Die Parallelen zur US-Wahl sind groß. Wenige Monate vor der Abstimmung wurde Donald Trump als krasser Außenseiter gehandelt. Bei Marine Le Pen ist das auch so. Nun stellt sich heraus, dass ihr konservativer Mitwerber François Fillon seine Frau und Kinder anstellte und ihnen über die Jahre Gehälter auf Steuerzahlers Kosten von summa summarum 830.000 Euro zukommen ließ.

Fillon müsste daher seine Bewerbung zurückziehen. Doch er tut es nicht. Und damit wird der konservative Apparatschik zu einer größeren Gefahr für den Euro als Le Pen. Die will den Euro durch einen "Neuen Franc" ersetzen. Die französische Notenbank will sie aus dem Eurosystem herauslösen, damit sie Geld druckt, um den Sozialstaat zu finanzieren und den Industriesektor zu subventionieren.

Zinskeule

Der Renditesspread zwischen deutschen Bundesanleihen und französischen Anleihen spreizt auf den höchsten Stand seit drei Jahren auf. In Südeuropa klettern die Zinsen auf Mehrjahreshochs, und das, obwohl die EZB die Papiere ankauft. Staatsanleihen aus Deutschland und auch aus Österreich gehen weg wie warme Semmel, so dass die Zinsen dieser Papiere sinken.

Wenn sich die Zinsen zwischen den Euro-Nordstaaten mit soliden Staatsfinanzen und den Mittelmeerländern so sehr aufspreizen, hat der Euro gegen den Schweizer Franken keine Chance. Das konnte man bereits während vorherigen Episoden der Euro-Schuldenkrise beobachten. Damals ließ sich die Krise mit dem Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, unter den Teppich kehren.

Jetzt muss Draghi rausgehen und sagen: Ich kaufe alle Staatsanleihen. Die EZB-Bilanzsumme ist bereits auf 3,8 Billionen Euro gestiegen. Die EZB müsste noch etwa 6-7 Billionen Euro-Computergeld machen, um die verbleibenden Anleihen unter Kontrolle zu bringen. Dann würden auch die Zinsen nicht mehr steigen und Draghi könnte sich als unangefochtener "Money Printer" über Le Pen stellen und ihr den Wind aus den Segeln nehmen.

Es laufe auf ein System hinaus, wo der Staat seine Ausgaben mit der Notenpresse finanziere, schreibt der Bondkönig Bill Gross in seinem aktuellen Newsletter. Interessanterweise sagt derzeit niemand, dass die Eurozone wegen dem EZB-Aktionismus der letzten Jahre vor den ganzen Risiken abgeschirmt ist. Die, die Draghi für Whatever-it-Takes in den Himmel gelobt haben, sind mucksmäuschenstill.