Fallbeispiel: Tilgungsträgerkredite brauchen langen Atem
+++ Euro wackelt: Rückgang von 1,1393 auf 1,1330 CHF (14:48 Uhr)
EUR/CHF-Kurs mit höchstem Stand seit Mindestkurs...>
Home » » Fallbeispiel: Tilgungsträgerkredite brauchen langen Atem

Fallbeispiel: Tilgungsträgerkredite brauchen langen Atem

Im Jahr 2007 wird ein Tilgungsträgerkredit in Schweizer Franken für 100.000 Euro aufgenommen. Der EUR/CHF-Kurs liegt bei 1,60. Dadurch hat der Kreditnehmer einen Offenstand von 160.000 Franken. Nach 20 Jahren soll der Kredit auf einen Schlag zurückgezahlt werden. Um die Tilgung zu stemmen, wird eine Lebensversicherung abgeschlossen.

Der Garantiezins für die Lebensversicherung ist 2007 zwar nur 2,25%. Die Rendite auf österreichische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt allerdings bei 4,10%. Der Kreditnehmer schlussfolgert, deutlich mehr als den Garantiezins aus seiner Lebensversicherung herauszubekommen. Damals gilt noch die Faustformel auf Spareinlagen risikolos 4% Zinsen zu erhalten.


Es folgen Finanzkrise und Euro-Schuldenkrise. Die Leitzinsen in der Eurozone werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) massiv gesenkt. Dadurch fällt die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen von 4,1% in 2007 über 2,9% in 2011 auf 0,4% Anfang 2017.

Hinzu kommt eine steile Abwärtsbewegung des EUR/CHF-Kurses auf 1,06, die einen erheblichen Wechselkursverlust nach sich zieht. Rechnet man den Offenstand von 160.000 Franken zum EUR/CHF-Kurs von 1,06 zurück, ergibt sich eine Kreditschuld von 151.000 Euro: -51.000 Euro

Ansparlücke

Bei einer Verzinsung von 4% hätte der Franken-Kreditnehmer jeden Monat 274 Euro* einzahlen müssen, um nach 20 Jahren 100.000 Euro im Tilgungsträger zu haben. Er bekommt die 4% wegen der Finanzkrise und ihren Folgen aber nur für zwei Jahre. Von 2010-2013 gibt es etwa 2,75% Zinsen. 2014 geht es auf den Garantiezins runter. Bleibt es bis 2027 bei 2,25%, sind im Tilgungsträger 83.350 Euro: -16.650 Euro.


Falls sich der EUR/CHF-Kurs bis 2027 bei 1,33 einpendelt, also in der Mitte zwischen dem Hoch bei 1,68 im Herbst 2007 und dem Tief bei 0,98 Anfang 2015, läge der Wechselkursverlust bei 20.000 Euro. Entsprechend müssten 120.000 Euro getilgt werden. Um diese Summe mit dem Garantiezins von 2,25% zu erreichen, ist von 2014-2027 eine monatliche Ansparleistung von 421 Euro erforderlich.

*ohne Kosten und Spesen der Lebensversicherung von etwa 3.000 Euro