Tappt der Schweizer Franken in die Zinsfalle?
+++ Euro steigt auf 1,1380 Franken (16:51 Uhr)
Der Euro ist bei Spekulanten sehr begehrt...>
Home » » Tappt der Schweizer Franken in die Zinsfalle?

Tappt der Schweizer Franken in die Zinsfalle?

1 Euro = 1 US-Dollar. Der Gleichstand komme 2017, sagt Goldman Sachs. Was geschieht mit dem EUR/CHF-Kurs, sollte Chefvolkswirt Jan Hatzius Recht behalten? Fällt auch er auf die Parität? Oder kommt es zu einem steilen Anstieg, da Hedgefonds so emsig auf Zinsdifferenzen wetten wie zuletzt vor der Finanzkrise und negative Zinsen dem Franken am meisten schaden?

Die US-Notenbank (Fed) werde im laufenden Jahr dreimal den Leitzins erhöhen, prognostiziert Goldman Sachs. Dies führe dazu, dass die Renditen auf 10-jähringe US-Staatsanleihen auf etwa 3% kletterten, so Hatzius im Gespräch mit CNBC. Von der EZB werde hingegen nichts dergleichen kommen. Die hohe Arbeitslosigkeit in der Eurozone halte Inflation und Leitzins niedrig.

Das Aufspreizen der US-Zinsen zusammen mit der dank Trump um einige Zehntel stärker wachsenden US-Wirtschaft werde den Euro auf 1,00 Dollar zurückwerfen, sagt Goldman Sachs. Es werde keine Rolle spielen, dass die Bewertungen einen solchen Rückfall nicht hergeben. Laut der Kaufkraftparität müsste 1 Euro 1,25-1,30 Dollar wert sein.

Zinsjoker

Weil in der Schweiz die Zinsen tiefer sind als in Deutschland und Frankreich, den wichtigsten Bondmärkten des Währungsblocks, dürfte der Franken gegen den US-Dollar noch stärker unter die Räder kommen als der Euro. Deswegen kann 1 Euro = 1 Franken im Grunde genommen nicht passieren. Gefährlich wird es für den EUR/CHF-Kurs nur, sollte sich das Stimmvolk verführen lassen.

Den Zinsjoker, den die Schweizer haben, um den Franken zu schwächen, ist wie mit Sommerreifen unterwegs zu sein. Mit ihnen fährt es sich am besten, wenn das Wetter gut ist und die Sonne scheint. Wird es nass und kalt in der Eurozone, weil die Populisten Wahlsiege davontragen und das zarte Konjunkturpflänzchen zertreten, spielen Zinsdifferenzen keine Rolle.

Anders als in den USA, wo der auf Populismus setzende Trump eine wachstumfreundliche Agenda verfolgt, sind die Programme von Marine Le Pen in Frankreich und Beppe Grillo in Italien wachstumsfeindlich. Dieses Duo ist für die Wirtschaft in der Eurozone in etwa so schädlich wie Tsipras und Varoufakis für Griechenland.

Kämen Europas Populisten an die Macht, hätte der Schweizer Franken keine andere Wahl mehr als seine Rolle als sicherer Hafen anzunehmen. Auch Großanleger sind inzwischen in der Lage den Negativzins in der Schweiz von -0,75% zu umgehen. Das Geschäft mit Tresoranlagen in den Bergen, in denen Banken und Versicherungen riesige Summen Franken-Bargeld einlagern können, boomt.