Erste Erkenntnis 2017: Euro erstaunlich schwach
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Erste Erkenntnis 2017: Euro erstaunlich schwach

"Das ist Schnee von gestern", sagt der EUR/CHF-Kurs zu der vor Kraft strotzenden Industrie in der Eurozone. Die Unternehmen, allen voran in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, haben so viel Aufträge und produzieren so viel wie seit Jahren nicht mehr. Den Euro lässt das kalt. Statt über 1,08 Franken zu steigen, macht er Anstalten unter 1,07 Franken zu fallen.

Die viel beachteten Einkaufsmanagerindizes (PMI) von IHS Markit zeigen: Die Industriekonjunktur in der Eurozone war im Dezember 2016 so stark wie das letzte Mal vor fünfeinhalb Jahren. Am besten lief es in Österreich und den Niederlanden, wo die stärksten Expansionen seit knapp sieben Jahren erreicht wurden. Deutschland schaffte ein 3-Jahreshoch. Es folgen Spanien, Frankreich und Italien.

"Nach dem rasanten Produktionsanstieg im Dezember startet der Eurozone-Industriesektor unter ausgesprochen guten Vorzeichen ins neue Jahr", kommentiert IHS Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Besonders erfreulich ist, dass der Aufschwung auf breiter Basis stattgefunden hat und sich die PMIs in allen von der Umfrage erfassten Ländern verbesserten".

Auf diesen breiten Aufschwung wartet der EUR/CHF-Kurs im Grunde genommen seit Jahren. Bisher war es so, dass es in Deutschland und Spanien gut lief. Frankreich hinkte seit Amtsantritt Hollande vor knapp fünf Jahren hoffnungslos hinterher. In Italien gab es allenfalls ab und an einen Hoffnungsschimmer aus der Industrie.

Nun holen die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone kräftig auf. Der EUR/CHF-Kurs honoriert das aber nicht mit einem Kursanstieg. Man kann argumentieren, dass die PMI-Daten bereits einen Monat alt sind. Doch dann hätte der Euro Mitte Dezember 2016, als IHS Markit die Vorabschätzungen veröffentlichte, zulegen müssen. Auch damals kam es jedoch zu einem Rückgang auf 1,07 Franken.

Die schwache Reaktion des Euros auf die sehr guten Konjunkturdaten ist ein schlechtes Omen. Schnell dürfte klar werden, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. IHS Markit rechnet damit, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone von 1,7% in 2016 auf 1,4% in 2017 verlangsamen wird. Hat die Konjunktur also einmal ihren Zenit überschritten, müsste der EUR/CHF-Kurs folglich noch tiefer sinken.

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