Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im Dezember
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Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im Dezember

Weil der Euro aktuell 1,0766 Franken wert ist, verschlechtert sich die Lage für Franken-Kreditnehmer. Ihre Kreditschuld hat sich in den letzten Wochen und Monaten erhöht. Ein österreichischer Bankkunde, der einen Schweizer-Franken-Kredit am laufen hat, verliert im Schnitt 4.000 Euro. Die Plus-Minus-Null-Schwelle entfernt sich.

Beispiel:
  • Ein Kreditnehmer hat sich im Jahr 2002 in Schweizer Franken verschuldet.
  • Es wurde ein Fremdwährungskredit im Gegenwert von 150.000 Euro (217.500 Franken) aufgenommen.
  • Seinerzeit lag der Euro-Franken-Kurs bei 1,45.

Das 4. Quartal beginnt vielversprechend: Der Euro steigt auf 1,0975 Franken, als Bloomberg News berichtet, die EZB erwäge ihre Anleihekäufe monatlich um 10 Milliarden Euro zu verringern. Die Meldung, die sich auf EZB-Mitarbeiter stützt, stellt sich als falsch heraus. Der Euro fällt daraufhin auf 1,08 Franken. Die Kreditschuld des obigen Franken-Kreditnehmers steigt von 198.178 Euro auf 201.389 Euro.

Nach der US-Wahl setzt der Euro seine Talfahrt fort. Bis Ende November sinkt er auf 1,0685 Franken. Im Gegenzug steigt die Kreditschuld auf 203.556 Euro. Es folgt ein leichter Anstieg auf 1,0766 Franken, der von sinkenden Euro-Risikoprämien gestützt wird. Damit steht die Kreditschuld aktuell bei 202.025 Euro. Das sind gut 4.000 Euro mehr als im Oktober.

Wegen des Wechselkurverlustes muss der Franken-Kreditnehmer nicht 150.000 Euro zurückzahlen, wie im Jahr 2002 angenommen, als viele Finanzberater einen stabilen Eurokurs um 1,45 Franken einfach mal keck für die nächsten 20 Jahre voraussagten. Es sind inzwischen 202.025 Euro, also 52.025 Euro mehr als einkalkuliert.

Berücksichtigt man die über die Jahre angehäufte Zinsersparnis gegenüber einer Euro-Finanzierung sieht es freundlicher aus. 27.000 Euro hat der Franken-Kreditnehmer wegen den tiefen Zinsen gespart. Rechnet man diesen Betrag dem Wechselkursverlust gegen, bleibt ein Minus von 25.025 Euro.

Immobilienblase

Der Fehlbetrag dürfte in vielen Fällen beherrschbar sein, zumal die Immobilienpreise in Österreich deutlich gestiegen sind. Würde der Franken-Kreditnehmer zur Miete wohnen, sähe er sich einer höheren Mietbelastung ausgesetzt, da teurer werdende Immobilien steigende Mieten nach sich ziehen. Diese zusätzliche Kosten entfallen aber.

Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB), der Risiken für die Finanzmärkte aufspüren soll, hat gerade eine Warnung für Österreich ausgegeben. Hier gebe es Anzeichen für eine Überhitzung der Preise von Wohnimmobilien. Die Warnung hat aber im Grunde nur für jene Hauseigentümer Relevanz, die mit ihre Immobilie spekulieren.

Wer seine Wohnimmobilie selbst nutzt, kann eine etwaige Abwärtskorrektur bei den Immobilienpreisen um 10-20% gelassen sehen. Es dürfte wenige Fälle geben, wo der Verkehrswert der Immobilie so sehr sinkt, dass die Bank weitere Sicherheiten verlangt. Ferner sind die Gefahren einer Immobilienblase laut ESRB nicht kurzfristiger, sondern mittelfristiger Natur.