Trägt der Schweizer Franken einen Kollateralschaden davon?
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Trägt der Schweizer Franken einen Kollateralschaden davon?

Notenbanker klammern sich an die ultralockere Geldpolitik wie Angela Merkel an ihre Kanzlerschaft. Drei dicke Fische haben schon, zwei müssen noch: Europäische Zentralbank, Schweizerische Nationalbank und Bank von England würden wohl am liebsten über Spekulationen über ein Ende der ultralockeren Geldpolitik eine Nachrichtensperre verhängen. Jetzt kommen Bank von Japan und US-Notenbank. Ihre Uneinsichtigkeit ist eine Steilvorlage für den EUR/CHF-Kurs, und auch für Gold.

In Japan versuchen sie jetzt schon seit drei Jahren mit einer extrem aggressiven Geldpolitik (Abenomics) die Inflation auf 2% zu bringen. Es hat nicht geklappt. Die Teuerung lag zuletzt bei -0,5%. Man sollte erwarten, die Notenbanker ziehen aus dem fehlgeschlagenen Experiment ihre Lehren. Dem ist aber nicht so. Von dem Chef der Bank von Japan, Haruhiko Kuroda, wird erwartet, dass er den Einlagenzins (aktuell: -0,10%) noch tiefer ins negative Terrain verschiebt.

In fünf der letzten sechs Monate hat sich in Japan die Wirtschaftsaktivität verlangsamt, wie die Einkaufsmanager-Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit zeigen. In den Vereinigten Staaten sieht es auf den ersten Blick besser aus. Die für die US-Notenbank (Fed) maßgebliche Kerninflationsrate, abgeleitet aus den persönlichen Konsumausgaben, lag zuletzt bei 1,6%. Das US-Arbeitsministerium weist Monat für Monat robuste Stellenzuwächse aus.

US-Leitzinssenkung

Irgendetwas stimmt aber nicht. Das Haushaltsdefizit der Obama-Regierung lag im August um 10% höher gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Steuereinnahmen von Unternehmen und Privaten sanken sogar. Das ist Wasser auf die Mühlen jener, die sagen, dass in den USA vor allem schlecht bezahlte Teilzeitjobs in Nagelstudios und als Hundeausführer geschaffen werden.

"Der Anteil der Amerikaner, die einen Job haben und im besten Beschäftigungsalter sind, bleibt deutlich unter dem Niveau vor der Rezession", schreibt Narayana Kocherlakota, früherer Chef der Fed von Minneapolis, in einem Gastbeitrag auf Bloomberg. Kocherlakota geht soweit zu sagen, dass die US-Konjunktur eine Leitzinssenkung benötigt.

In der Praxis sollte es schon reichen, würde die US-Notenbank darauf verzichten, den Leitzins zu erhöhen. Dies käme de facto einer Lockerung der Geldpolitik über die Erwartungsebene gleich. Denn Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen werden nicht müde zu behaupten, man könne die Geldpolitik straffen, obschon der Rest der Welt weiter lockert.

Ausblick:
Gold dürfte steigen, sollte die BoJ mit einem tieferen Einlagenzins noch mehr Staatsanleihen eine negative Rendite verpassen. Der Schweizer Franken müsste zum US-Dollar beim Ausbleiben einer US-Leitzinserhöhung stärker werden. Noch kräftiger sollte aber der Euro zum Dollar steigen. Daher hat der EUR/CHF-Kurs gute Chancen nach seinem kurzen Ausflug auf 1,1001 am 1. September 2016 erneut über 1,10 zu klettern.