Die Euro-Schafherde will abgefüttert werden
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Die Euro-Schafherde will abgefüttert werden

"Ein schwacher Euro würde wie Wunder wirken, um Europas Volkswirtschaften neu zu beleben." Das erklärte der kanadische Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell, dessen Erkenntnisse maßgeblich zur Einführung des Euros beigetragen haben, vor drei Jahren. Gesagt, getan. Mario Draghi schwächte den Euro wenig später massiv ab. Heute gilt es den Satz von Mundell umzuformulieren. Nun lautet das Motto: Aktienkäufe würden wie Wunder wirken.

EZB-Präsident Mario Draghi ist über das Ziel hinausgeschossen. Mundell hatte nämlich einen Euro-Wechselkurs von 1,20 US-Dollar im Auge. Der Italiener brachte es fertig, den Euro-Dollar-Kurs von 1,40 bis auf 1,05 mehr oder weniger koordiniert einbrechen zu lassen. Heute kommen von der über den Ankauf von Staatsanleihen herbeigeführten Abschwächung des Euros aber kaum noch Impulse für die Wirtschaft der Eurozone.

Das Eurosystem hat inzwischen Staatsanleihen von mehr als einer Billion Euro von den Anleihemärkten abgesaugt. Auch hier dürfte Super-Mario über das Ziel von Mundell, der sich bereits für den Ankauf von Staatsanleihen aussprach, als das noch ein Tabu war, hinausgeschossen sein. Die zum Kauf zur Verfügung stehenden Schuldtitel der Euroländer werden knapp. Börsenaltmeister Hans Bernecker stellt im Gespräch mit "Der Aktionär" nun fest:

"Zunächst hat es eine Anleihenblase gegeben, ausgelöst durch die 0-Zins-Politik der Notenbanken. Danach kam die Immobilienblase. Erst später wird es eine Aktienblase geben."

Die Indizien sprechen dafür, dass die EZB ihre Anleger-Schafherde als nächstes in den Ankauf von Aktien hineinbegleitet. Draghi wird aus Schweizer Finanzkreisen nachgesagt, dass er geplant hatte, sehr viel früher mit dem Ankauf von Staatsanleihen zu beginnen. Es sollte dann aber doch ein Jahr dauern (Frühjahr 2014 bis Frühjahr 2015), um den Widerstand aus Deutschland mittels Mailänder-Salamitaktik zu überwinden.

Es würde wie Wunder wirken, brächte die EZB die Aktienkurse von Unicredit, Deutsche Bank und Co. auf die Niveaus des Sommers 2015 zurück. Die Kapitalkosten der Geldhäuser sänken. Wenn Bankatien steigen, dann ist das für den Gesamtmarkt, und dank positiver Rückkopplungseffekte auch für die Realwirtschaft, eine schöne Sache.

Formaljuristisch könnte die EZB den Ankauf von Finanztiteln in ein breit angelegtes Ankaufprogramm von Blue-Chip-Aktien einbetten. Aktienkäufe ließen sich wiederum problemlos in das bestehende Wertpapierkaufprogramm inkludieren. Draghi müsste nur sagen: "Mir gehen die Staatsanleihen aus. Ich brauche Ersatz, um das monatliche Kaufvolumen von 80 Milliarden Euro zu erreichen." An Aktien ginge dann kein Weg mehr vorbei. Es gibt in der Größenordnungen, in der die EZB agiert, sonst nichts.