EUR/CHF-Entwicklung: Was führende Experten 2017 erwarten
+++ Euro purzelt auf 1,0725 Franken +++
Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
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EUR/CHF-Entwicklung: Was führende Experten 2017 erwarten

Was nun EUR/CHF-Kurs? Auf drei Handelstage mit Kursverlusten, die den Euro von 1,0940 auf 1,0788 Franken zurückwarfen, folgt ein Anstieg auf 1,0860 Franken. Ausgerechnet der deutsche Bundesbankchef erwägt ein noch stärkeres Pumpen von Zentralbankgeld. Jens Weidmann eröffnet den Reigen der Spekulationen über weitere Lockerungen der Geldpolitik. Sie wären vonnöten, sollte sich das Wirtschaftsklima in der Eurozone weiter eintrüben. Die neuen EUR/CHF-Prognosen für 2017 schwanken zwischen 1,03 und 1,12.

Die Schweizer Verbraucher waren auch schon einmal besser gelaunt. Seit über einem Jahr liegt die Konsumentenstimmung inzwischen unter dem langfristigen Durchschnitt, melden die Konjunkturforscher des Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Gemäß der Prognose des Seco wird die Schweizer Wirtschaft im laufenden Jahr ein Wachstum von 1,4% erreichen. Für die Eurozone rechnen Ökonomen inzwischen mit dem gleichen Wert. Vor dem Brexit hatte man noch ein Plus von 1,7% in Aussicht gestellt.

"Die Stimmung der Wirtschaft im Euroraum verschlechterte sich, wenn auch nur geringfügig", stellt das Ifo-Institut fest. Die konjunkturelle Erholung setze sich zwar fort, sie lasse aber an Dynamik vermissen. Deutschland und Irland schätzen die vom Ifo-Institut befragten Experten am stärksten ein. Für Frankreich, Italien und Spanien würden trotz einer leichten Besserung weiterhin die negativen Bewertungen überwiegen. In Portugal und Griechenland sieht es noch schlechter aus. Dort habe sich die bereits ungünstige Wirtschaftslage weiter verschlechtert.

Machen die Banken weiter Trouble, ist es gut möglich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im September ihre Wachstumsprognose auf 1% senkt. Spekulationen über weitere Lockerungen gehen aber schon jetzt los. Bundesbankchef Jens Weidmann ist nicht abgeneigt. Er sagt in einem Interview mit der "Zeit" über den in Deutschland hochumstrittenen Ankauf von Anleihen im Wert von 80 Milliarden Euro pro Monat: "Mit Blick auf das Programm gibt es Anpassungsmöglichkeiten." Eine Aufweichung der Länderquoten, die dazu führen würde, dass die EZB mehr Anleihen aus hochverschuldeten Staaten wie Italien kaufe, lehne er aber ab.

Mit Anpassungsmöglichkeiten kann Weidmann meinen, dass man die Käufe von Staatsanleihen um sechs Monate bis zu den deutschen Bundestagswahlen im September 2017 verlängere. Eine Aufstockung auf 100 Milliarden Euro dürfte Weidmann nicht im Sinn haben, weil das wegen der Anleiheknappheit nur bei einer Aufweichung der Länderquoten ginge (was er ja ablehnt). Im Raum steht auch eine Ausdehnung der Käufe auf den Aktienmarkt. Dadurch könnte die EZB noch einmal für ein paar Monate ein konjunkturelles Strohfeuer entfachen. Denn gut gelaunte Börsianer und eine Konjunkturbeschleunigung gehen üblicherweise Hand in Hand.

Gemäß den neuen Wechselkursprognosen der Scotiabank wird der Euro bis Ende 2016 auf 1,10 Franken und bis Ende 2017 auf 1,12 Franken steigen. Bei der Bayerischen Landesbank sieht man den EUR/CHF-Wechselkurs hingegen im nächsten Jahr auf 1,03 Franken fallen. Die St.Galler Kantonalbank, die mit ihren vorsichtigen Vorhersagen in der Vergangenheit oft gut gefahren ist, rechnet mit einem mittleren Wechselkurs bei 1,09-1,10.