Muss Deutschland Verzicht üben, um die Eurozone zu retten?
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Muss Deutschland Verzicht üben, um die Eurozone zu retten?

Der Schlagabtausch zwischen Deutschland auf der einen, und der EZB und beinahe dem ganzen Rest der Eurozone auf der anderen Seite, geht in die nächste Runde. Niedrigzinsen sind schädlich, sagt Wolfgang Schäuble. An die supertiefen Zinsen sollte sich Deutschland besser gewöhnen. Denn die werde man künftig immer wieder einsetzen, kontert Mario Draghis rechte Hand, EZB-Direktor Benoit Coeure.

"Auf Dauer sind die Folgen von Niedrigzinsen oder gar negativen Zinsen schädlich - etwa bei der Vorsorge fürs Alter", so Deutschland Finanzminister in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint man dieser Sorge einigermaßen gleichgültig gegenüber zu stehen. Ein Blick auf die Entwicklung der Wirtschaftsleistung zeigt warum.

Deutschlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) eilt davon: Bei etwa 3,9 Billionen US-Dollar liegt das deutsche BIP inzwischen. Dahinter kommt lange Zeit nichts. Frankreich ist weit abgeschlagen auf Platz 2 mit 2,7 Billionen US-Dollar. Italien liegt bei 2,1 Billionen Dollar. Die deutsche Wirtschaft ist knapp 50% größer als die französische und beinahe doppelt so groß wie die italienische.


Dass die EZB nun ihre Aufgabe darin sieht den Abstand zu verkleinern, kann man nachvollziehen. Und so sagt Coeure auch, dass man künftig immer wieder die Zinsen an das untere Ende drücken werde. Würde die EZB das nicht machen, bekämen Frankreich und Italien mit ihren Schuldenbergen Probleme, und fielen infolge beim Wachstum noch weiter hinter Deutschland zurück.

Aus der Sicht der EZB wäre es das Beste, hätte Deutschland eine so träge Wirtschaft wie in der ersten Hälfte der 00er-Jahre. Doch danach sieht es nicht aus, auch weil die Kriegskasse von Schäuble prall gefüllt ist. Er kann gegen etwaige konjunkturelle Abschwünge mit den berühmten Konjunkturprogrammen auf Pump (wie Kurzarbeitergeld) sehr viel entschiedener vorgehen als das hochverschuldete Frankreich und Italien.

Schäuble sagte bezüglich dem Fetisch der Finanzmärkte auf Wirtschaftswachstum zuletzt einen bemerkenswerten Satz: "Eigentlich brauche Europa nicht mehr so viel Wachstum", so der Finanzminister in der "Der Zeit". Damit signalisiert er, dass Deutschland zum Verzicht bereit ist, um die Eurozone zusammenzuhalten.

Die Regierenden in Frankreich und Italien sind allerdings mit ihrem verklärten Verständnis, wie man zu mehr Arbeitsplätzen und Wachstum kommt, inzwischen zu weit herausgerudert. Sie können selbst diese Steilvorlage nicht nutzen, um endlich aufzuholen. Aus ihrer Sicht ist es gemütlicher die EZB vor den Karren zu spannen.