EUR/CHF-Ausblick: Warum deutsche Banken 1 € = 1 CHF wollen
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Exportüberschüsse Triebfeder des Euro-Anstiegs...>
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EUR/CHF-Ausblick: Warum deutsche Banken 1 € = 1 CHF wollen

Weil der Euro seit zwei Monaten auf der Stelle tritt, verlieren die Devisen-Auguren die Geduld. "Gibt es einen langweiligeren Wechselkurs als EUR-CHF", fragt die Commerzbank rhetorisch und haut eine Paritäts-Prognose raus. Bei genauem Hinsehen stellt man allerdings fest: Nicht die Eurozone sondern die Schweiz sitzt am längeren Hebel. Der Euro dürfte eher auf 1,20 Franken steigen als auf 1,00 Franken fallen.

Banken hätten gerne einen heißen Herbst beim Euro-Franken-Kurs. Das gilt für jene, die nicht mit Franken-Fremdwährungskrediten ihre Bilanzen überbeladen haben. Bei kräftigen Kursausschlägen können die Geldhäuser Unternehmenskunden teure Absicherungsderivate und Privatkunden Zertifikate mit teilweise abstrusen Geld-/Briefspannen verkaufen. Auf dieses Geschäft sind sie angewiesener denn je.

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Die 3-6-3-Regel ist ein Relikt der Vergangenheit: Zahle auf Konten 3% Zinsen, verleihe das Geld zu 6%, gehe nach getaner Arbeit um 3 Uhr nachmittags Golf spielen und kassiere Weihnachtsgelder und 13./14. Monatsgehälter funktioniert nicht mehr. Auch das Klammern an die Regel, gestalte die Öffnungszeiten deiner Filiale so, dass ein normaler Berufstätiger keine Chance hat dich zu erreichen, hat wegen den Finanz-Start-ups (Fintechs) keine Zukunft.

Unter tiefen Zinsen ächzende Landesbanken aus Bayern und Hessen/Thüringen sagen Eurokurse für das nächste Jahr von 1,03-1,05 Franken voraus. Die Commerzbank hat gerade ihre Prognose von 1,10 auf 1,00 Franken gesenkt. Erreicht werden soll die Parität bis September 2017. Es sei wahrscheinlich, dass die Schweizer Notenbank irgendwann ihre Strategie gradueller Deviseninterventionen aufgeben müsse. Und dann dürfte ähnliches passieren, wie im Januar 2015, argumentiert die Commerzbank.

Fragt sich, wer die Waffen zuerst strecken muss. Die Schweizer Banken haben sehr viel dickere Kapitalpolster, das Finanzsystem ist solider. Wahrscheinlicher ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) als erste aufgibt. Mario Draghis EZB ist dabei mit dem Negativzins und der Wilderei bei Firmenanleihen, mit der er den Banken Geschäft wegnimmt, ein einstufiges Bankensystem zu installieren, wie es es in der DDR gab.

Ausblick:
Die Verantwortlichen in der Eurozone spielen mit höheren Einsätzen als die Verantwortlichen für den Schweizer Währungsraum. Die Chancen sind daher größer, dass die EZB als erste gezwungen sein wird, eine Normalisierung der Geldpolitik einzuleiten. Und das könnte dann dem Euro-Franken-Kurs Aufwärtspotenzial bis auf 1,20 eröffnen.

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