Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im Juli
+++ Eurokurs aktuell bei 1,0760 Franken +++
Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
Home » » Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im Juli

Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im Juli

Kommt da noch etwas nach? Das Brexit-Votum ging für Franken-Kreditnehmer glimpflich aus. Der Euro notiert aktuell stabil bei 1,08-1,09 Franken. Der befürchtete Absturz auf 1 Euro = 1 Franken blieb aus. Unterdessen steigt die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone. Der starre Einheits-Wechselkurs trägt für 19 Euroländer nicht. Was passiert mit einem Franken-Fremdwährungskredit, wenn Flexibilität ins System kommt?

Als der EU-Austritt Großbritanniens am 24. Juni 2016 feststand, sank der Euro kurz auf 1,06 Franken. Ein im Jahr 2002 aufgenommener Franken-Kredit im Gegenwert von 150.000 Euro (damaliger Wechselkurs 1,48) lag bei einem Rückzahlungswert von 209.433 Euro. Rechnete man die Zinsersparnis der letzten 14 Jahre von etwa 28.000 Euro runter, blieb ein Minus von 31.433 Euro.

Der Euro war in diesem Jahr auch schon einmal deutlich mehr wert. Im Februar 2016 kletterte er auf 1,12 Franken, so dass obiger Kreditnehmer mit 20.214 Euro unter Wasser stand. Auf dem aktuellen Kursniveau von 1,0850 liegt das Minus bei 26.608 Euro, also knapp 5.000 Euro weniger als unmittelbar nach dem Brexit-Votum.

"Der Brexit wird zur Euro-Belastungsprobe", meldet das Forschungsinstitut Sentix. Der von den Konjunkturforschern erhobene Euro Break-up-Index (EBI) kletterte nach dem Brexit auf 33%. Das heißt: Ein Drittel der befragten Experten rechnet mit einem Auseinanderbrechen der Eurozone innerhalb der nächsten zwölf Monate. Eine Woche vor dem Brexit waren es lediglich 10%.

"Wir müssen uns an einen Tisch setzen und darüber verhandeln, wie wir die Eurozone einvernehmlich auflösen können. Denn der Euro in seiner jetzigen Form wird scheitern."
Marco Zanni

"Wir sollten die Eurozone auflösen, bevor es in Europa zu einem Bürgerkrieg kommt. Noch nie war die Stimmung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg so vergiftet wie heute." Das sind die Worte von Marco Zanni, Haushaltspolitiker der italienischen 5-Sterne-Partei im Europäischen Parlament im Gespräch mit dem Portal "Deutsche Wirtschafts Nachrichten".

Mit flexiblen Wechselkursen ließen sich die Unstimmigkeiten in der Eurozone einigermaßen elegant lösen. Beispiel: Für einen italienischen Euro bekäme man dann nur noch einen halben deutschen- oder österreichischen Euro. Eine solche Abwertung würde Länder wie Italien, Griechenland und Portugal in die Lage versetzen, eine wahrhaftige wirtschaftliche Erholung in Gang zu setzen.

Das hätte dann die interessante Nebenwirkung, dass Österreichs Euro gegenüber dem Schweizer Franken aufwerten müsste. Er wäre nämlich frei von den Problemen Südeuropas und könnte wieder stärker vom Wachstum in Osteuropa profitieren. Die Rückzahlungbeträge der rund 140.000 österreichischen Frankenkredite im Gegenwert von etwa 21 Milliarden Euro würden spürbar sinken.