Franken schwächt sich wegen Schweizer Fenstersturz ab
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Exportüberschüsse Triebfeder des Euro-Anstiegs...>
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Franken schwächt sich wegen Schweizer Fenstersturz ab

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gibt dem Devisenmarkt Nachhilfeunterricht. Notenbankchef Thomas Jordan sagt: "Der Franken ist weiterhin erheblich überbewertet und das bereitet uns große Sorgen." Die SNB kann mit ihrem Motto ("Wenn alle aus dem Fenster springen, dann springe ich eben mit") dem Euro einen Anstieg von 1,0816 auf 1,0880 abtrotzen. Die Eurozone plagen Banken, die kaum noch Gewinn machen. Sie müsste man eigentlich mit einer Blitz-Insolvenz nach dem Vorbild von General Motors gesundschrumpfen und neuen Anteilseignern verkaufen.

Thomas Jordan springt bildlich gesprochen Mario Draghi hinterher. Jordan stellt die lockere Geldpolitik in der Schweiz als alternativlos da. Er monierte laut Bloomberg auf dem G20-Gipfel in China, dass die Geldpolitik überall expansiv sei. Die gleiche Ausrede hatte schon Draghi verwendet, um die deutsche Öffentlichkeit nach dem letzten, dicken, Lockerungspaket zu besänftigen. Und die gleiche Ausrede könnte Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda an diesem Freitag nutzen, wenn er die Geldschleusen weiter öffnet, um mit seinen Kollegen in Europa auf Augenhöhe zu bleiben.

Im Fall der EZB kann man schon fast philosophisch werden. Sie scheint in ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit gefangen. Das von den Amerikanern vorexerzierte kreditfinanzierte Wachstumsmodell bröckelt in Europa an allen Ecken und Enden. Italiens Wirtschaft, die von Draghi lange Jahre als Direktor im Finanzministerium und Chef der italienischen Notenbank beackert wurde, konnte ihr Pro-Kopf-Einkommen seit dem Beitritt 1999 in die Eurozone nicht erhöhen. Dass es gerade der Italiener nun für die Eurozone richten soll, könnte sich als Treppenwitz der Geschichte herausstellen.

Große Klappe, kleine Erträge

Die Banken mit ihren vielerorts pompösen Filialen, deren Kosten in einem eklatanten Missverhältnis zu den Erträgen stehen, ziehen alles mit nach unten. Draghi hat mit der Abschaffung der Zinsen oft bereits ineffiziente Geschäftsmodelle mit hohen Cost-Income-Ratios weiter kaputt gemacht. In Spanien gibt es in Stadtteilen oft mehr Bankfilialen als Imbissbuden. Neben Italien läuft es auch in Deutschland schlecht. Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist am Boden, der Gewinn der Commerzbank sackte im zweiten Quartal um ein Drittel ab.

Der US-Autobauer General Motors wurde im Jahr 2010 von der US-Regierung in eine Blitz-Insolvenz gezwungen. Das war der Preis für die staatlichen Hilfen, die der Konzern zuvor bekommen hatte. Infolge übernahm der Staat die Mehrheit der Anteile. Die Bankenbranche will von einer solchen Lösung nichts wissen und macht Sonderrechte geltend. Deutschen Bank Chefvolkswirt David Folkerts-Landau forderte unlängst ein 150-Milliarden-Euro-Rettungspaket für die Institute. Im Dunkeln blieb dabei, welche Gegenleistung die Banken für die Steuergelder erbringen würden.