Währungshüter wollen plötzlich einen harten Euro
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Währungshüter wollen plötzlich einen harten Euro

Die Zeiten, in denen der Euro eine Weichwährung sein musste, um die Konjunktur in Südeuropa anzukurbeln, sind vorbei. Von nun an soll es eine Hartwährung sein, signalisiert die Europäische Zentralbank (EZB). Notenbankchef Mario Draghi hat eine fast schon unheimliche Machtfülle. Der Italiener ist dabei eine Situation zu schaffen, an der es kein Weg mehr vorbei an Eurobonds gibt.

Eine Verschärfung des bei -0,40% liegenden Strafzins für Banken steht laut EZB-Direktor Benoit Coeure nicht auf der Agenda. Es gebe keinen Plan den Einlagenzins weiter zu senken, sagte der Franzose am Rande des G7-Gipfels der japanischen Zeitung "The Yomiuri Shimbun". Coeure gilt als engster Vertrauter von Mario Draghi.

Mit vier Senkungen des Einlagenzinses hat die EZB dem Euro in den letzten zwei Jahren das Genick gebrochen. Im Juni 2014 begann man den Einlagenzins mit -0,10% ins negative Terrain zu verschieben. Wenige Wochen zuvor war 1 Euro noch 1,40 US-Dollar wert gewesen. Infolge sank der Euro vor dem Hintergrund immer negativerer Zinsen bis Ende 2015 auf 1,06 Dollar.

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Warum will die EZB plötzlich einen starken Euro? Zum einen hat der Status des Euros als zweitwichtigste Reservewährung stark gelitten. Seit Amtsantritt von Draghi im Herbst 2011 fielen die weltweit von Zentralbanken gehaltenen Euro-Währungsreserven von 25% auf 20%, wie Erhebungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen.

Wichtiger noch ist, dass ein starker Euro Draghi eine uneingeschränkte Machtfülle geben würde. Die Inflation - vor allem die über Energiepreise importierte Inflation - bliebe bei einen stärkeren Euro noch auf Jahre hinweg sehr tief. Dadurch kann Draghi ein um das andere Rettungspaket für die mit faulen Krediten überfrachteten italienischen Banken und für die unter hohen Schuldenständen ächzende Euro-Südstaaten schnüren.

Fazit:
Die EZB hat den Euro als Weichwährung gebraucht, um das Wachstum in Südeuropa über die Exportschiene anzukurbeln. Seitdem die EZB Staatsanleihen kauft, hat sie ein Interesse den Euro wieder stärker zu machen. Dadurch kann Draghi klammen Euroländern auf Jahre hinweg unter dem Deckmantel einer Deflationsbekämpfung die Staatsanleihen abkaufen. Im Jahr 2020 oder 2025 hat die Politik schließlich keine andere Wahl mehr, als alles in einen Topf zu schmeißen und Eurobonds zu machen.