Euro erleichtert: EZB schnürt Hilfspaket für Italo-Banken
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Euro erleichtert: EZB schnürt Hilfspaket für Italo-Banken

Wohin mit faulen Krediten? Beim EZB-Müllschlucker abladen. Die Notenbank plant laut einer Reuters-Agenturmeldung italienische Banken ihre faulen Kredite abzunehmen. Das kommt nicht nur an den Börsen gut an. Auch der Euro-Franken-Kurs legt einen Zahn zu. Neben den so genannten Non-Performing-Krediten gibt es in Italien auch eine Non-Performing-Wirtschaft. Wenn es um die Rettung seines Heimatlandes geht, regiert EZB-Chef Mario Draghi mit eiserner Faust.

Italiens Regierung sei mit der Europäischen Zentralbank (EZB) in Gesprächen über die Situation mit den faulen Krediten eingetreten. Es gehe um den Ankauf gebündelter Kredite als Teil des 1,5 Billionen Euro schweren Wertpapierkaufprogramms der EZB, sagt ein mit den Gesprächen Vertrauter Mitarbeiter des italienischen Finanzministeriums. Das Ziel: Die EZB möchte Italiens Banken einen Teil der faulen Kredite abnehmen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

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Die Banken haben die italienische Wirtschaft in die Zange genommen. Weil die Geldhäuser bisher niemanden fanden, an den sie ihre faulen Krediten verscherbeln konnten, schraubten sie die Kreditvergabe nach unten. Das Ergebnis ist eine Wachstumsabkühlung.

Im 4. Quartal 2015 gab es in Italien ein Miniwachstum von 0,1% - nach 0,2%, 0,3% und 0,4% in den Vorquartalen. Für das Gesamtjahr 2015 lag die Wachstumsrate trotz allen Reformankündigungen von Ministerpräsident Renzi nur bei 1,1%. Das sei viel zu wenig, angesichts des drittgrößten Schuldenberges der Welt, auf dem das Land sitze, sagen Ökonomen.


Mario Draghi, der ja schon einmal als Präsident Italiens im Gespräch war, soll es nun richten. Der Ankauf von gebündelten, faulen Krediten könnten für die EZB eine Option sein, falls die wirtschaftliche Situation im Euroraum richtig schlecht werden würde, hatte ein EZB-Mitarbeiter bereits im November 2015 verlauten lassen.

Ein Hilfspaket für Banken über die EZB-Schiene ist zunächst einmal etwas Positives für den Euro-Franken-Kurs. Der in den vergangenen Wochen unter starken Stress geratene Bankensektor bekommt eine Auszeit. Auf mittlere Sicht dürfte eine Rettung europäischer Banken über die Notenpresse allerdings zu Ungunsten des Euros ausgelegt werden.

Zum einen wird der Euro von noch mehr Zentralbankgeld und einer steiler steigenden Bilanzsumme verwässert. Zum anderen leidet die Glaubwürdigkeit der EZB. Sie wird Geldverleiher letzter Instanz, eine Rolle, die ihr in den Verträgen von Maastricht nicht zugedacht ist. So etwas machten bisher nur einige Notenbanken in aufstrebenden Volkswirtschaften (z. B. Thailand) und in Frontier-Volkswirtschaften wie Argentinien oder Nigeria.