Das Schlimmste für Eurokurs und Eurozone kommt erst noch
+++ Euro purzelt auf 1,0725 Franken +++
Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
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Das Schlimmste für Eurokurs und Eurozone kommt erst noch

Der Euro schiebt sich zurück in die Gewinnzone, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) Spekulationen über eine Zinssenkung ins Kraut schießen lässt. Der EUR/CHF-Kurs steigt schnell von 1,0950 auf 1,1042. Er fällt anschließend auf 1,1010. Portugals Regierung dreht Reformen zurück und wird dafür mit einem saftigen Risikoaufschlag bestraft. Wäre die EZB nicht im Markt und würde die von allen drei großen Ratingagenturen mit Ramsch bewerteten portugiesischen Staatsanleihen kaufen, sähe es so richtig düster aus.

Negativzinsen sind für Zentralbanken 2016 das Maß aller Dinge. Um sie einzuführen, nehmen die Notenbanker einen Anstieg des Goldpreises, der ihre Glaubwürdigkeit untergräbt, in Kauf. Die schwedische Riksbank hat ihre Zinsen in dieser Woche noch tiefer ins negative Terrain verschoben, nachdem die Bank von Japan den diesjährigen Reigen mit den Strafzinsen vor zwei Wochen eröffnete. Auch die US-Notenbank (Fed) denkt laut über negative Zinsen nach. SNB-Präsident Thomas Jordan erwägt noch tiefere Zinsen, die Franken-Kreditnehmer mehr bares Geld in die Kassen spülen würden.

"Wir sind mit den Negativzinsen recht weit gegangen. Jetzt beobachten wir die Situation genau. Wir schließen nichts aus", sagt Jordan über eine mögliche Zinssenkung von aktuell -0,75% auf -1,00% im Interview mit dem Schweizer Wirtschaftsportal "Bilanz". Was der oberste Schweizer Währungshüter allerdings ausdrücklich ausschließt, ist die Einführung eines neuen Mindestkurses: "Wir sind aus dem Mindestkurs ausgestiegen, weil er nicht mehr nachhaltig war, und es macht keinen Sinn, gleich wieder in ein sehr rigides Konzept einzusteigen."


Portugals neue Links-Regierung hat den von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgehandelten Burgfrieden zwischen Finanzmärkten und klammen Euroländern aufgekündigt. Lissabon will Lohnkürzungen im öffentlichen Sektor der Vorgängerregierung zurücknehmen. In Sachen Wirtschaftspolitik hat sie außer Konjunkturprogrammen auf Pump nichts zu bieten. Investoren ziehen die Notbremse und steigen aus portugiesischen Staatsanleihen aus (bzw. laden diese bei der EZB ab). Im Gegenzug steigen die Zinsen bei den Zehnjährigen auf 4,11% - nach 2,27% im Dezember 2015. Portugal ist mit 135 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet.

"Portugal wird gut beraten sein, das sehr sorgfältig zur Kenntnis zu nehmen und nicht weiter die Märkte zu beunruhigen, indem man die Vermutung schürt, dass man von dem eingeschlagenen Weg zurückgehen will. Das wäre sehr gefährlich für Portugal."

Wolfgang Schäuble, Finanzminister Deutschland

Weil auch in Griechenland wegen Nichteinhaltung von Reformversprechen mal wieder die Hütte brennt, hat der Euro auf kurz oder lang ein Problem. Die Politik der Hilfspakete flankiert mit viel Billiggeld aus Frankfurt ist nicht nachhaltig. Die Geberländer und die EZB steigen nach Griechenland nun auch in Portugal zu den mit Abstand größten Gläubigern auf. Es scheint nur eine Frage von Wochen oder Monaten zu sein, bis alle Beteiligten sagen: "Auch Portugal wird seine Schulden niemals zurückzahlen können."