Von einer Euro-Konvertierungswelle kann keine Rede sein
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Von einer Euro-Konvertierungswelle kann keine Rede sein

2015 war ein Horrorjahr für Franken-Kreditnehmer. Wegen der Abschwächung des Euros gerieten viele Häuselbauer in Europas Fremdwährungskredit-Benchmark-Land tief unter Wasser. Die einen sehen sich gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Die anderen bleiben ihrem Fremdwährungskredit in der Hoffnung einer Erholung des Wechselkurses treu. Banken und Politik stehen in der Pflicht für Transparenz zu sorgen. Sie tun es aber nicht.

Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge: Wer sich trotz Frankenschock und Schwarzem Donnerstag (gemeint ist der Absturz des Euros von 1,20 auf 0,90 Franken am 15. Januar 2015) weigert in ein Euro-Darlehen zu konvertieren, wird von Finanzminister Schelling schon einmal gerne als Spekulant hingestellt, der sich verzockt hat.

Weiterlesen: "Wir können nicht jene bestrafen, die ausgestiegen sind."

Aus der Sicht der etwa 135.000 betroffenen Fremdwährungskreditnehmer in Österreich ist die Aussitzen-Strategie oft der vernünftigere Weg. Die Erholung des Euros auf 1,08-1,10 Franken lässt sie darauf hoffen, dass die Letzten die Ersten sein werden. Viele Häuselbauer wollen an ihrem Kredit bis zum Laufzeitende, das in den meisten Fällen zwischen 2020 und 2030 liegt, festhalten.

Aktuelle Erhebungen zeigen, dass der Anteil der Fremdwährungskredite in Österreich am sinken ist. Private Haushalte waren per 30. September 2015 mit 24,2 Milliarden Euro in fremder Währung verschuldet, teilte die Finanzmarktaufsicht (FMA) in Wien in dieser Woche mit. Das waren knapp zwei Milliarden Euro weniger als zur Jahresmitte 2015.

Eine Konvertierungswelle von Franken-Krediten in Euro-Kredite sieht aber anders aus: Aufgrund des Neuvergabe-Stopps von Fremdwährungskrediten im Herbst 2008 muss es zwangsläufig zu einem Rückgang kommen, weil Altkredite nach und nach fällig gestellt werden und kein neues Kreditvolumen hinzukommt.


Die FMA-Zahlen lassen viel Interpretationsspielraum. Unter dem Strich sind die Privathaushalte in etwa so stark verschuldet wie Anfang 2015, als 1 Euro noch 1,20 Franken wert war, und 24,6 Milliarden Euro an Fremdwährungskrediten ausständig waren. Die österreichische Banken behalten wichtige Details für sich.

So wäre es beispielsweise interessant zu wissen, welche Franken-Kreditnehmer stärker konvertieren: Die mit hoher oder niedriger Kreditsumme. Es gibt auch keine Zahlen darüber, welche Gruppe beim Konvertieren in Euro-Kredite aktiver ist: Sind es solche, deren Kredite bald fällig werden (was wahrscheinlicher ist) oder solche, bei denen die Kreditschuld erst zwischen 2020-2030 zurückgezahlt werden muss.

Dass die FMA mit harten Fakten knausert, ist ein Indiz dafür, dass die Banken und die Politik Fremdwährungskreditnehmer unter keinen Umständen dazu ermutigen wollen, ihre Kredite bis zum Laufzeitende auszusitzen. Man will sie stattdessen unter der Inkaufnahme mitunter großer Verluste aus den Darlehen hinausbegleiten. Den angeschlagenen österreichischen Banken würde das am meisten helfen.

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