Normalisierung der Geldpolitik ist Vitamin B für den Euro
+++ Euro purzelt auf 1,0725 Franken +++
Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
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Normalisierung der Geldpolitik ist Vitamin B für den Euro

Dem Euro machen nervöse Finanzmärkte zu schaffen, und so dominiert auch beim EUR/CHF-Wechselkurs die rote Farbe. Der Eurokurs sinkt mit 1,0780 Franken auf den tiefsten Stand seit vier Wochen, bevor er sich mit 1,0805 Franken ins Wochenende rettet. Wegen der Normalisierung der Geldpolitik in den USA stehen am Devisenmarkt größere Verschiebungen an. Geht der EUR/CHF-Kurs als Gewinner hervor?

Jetzt schlägt die Stunde der US-Notenbank (Fed): Am 16. Dezember 2016 wird es aller Voraussicht nach zu der ersten Leitzinserhöhung in den Vereinigten Staaten seit Juni 2006 kommen. Für die Schweizer Wirtschaft ist das Ereignis von großer Tragweite. Denn die USA sind nach dem Euroraum der zweitgrößte Absatzmarkt für Produkte "Made in Suisse".

Wenn die Fed die Zinsen anhebe, sei das ein Zeichen der Stärke der US-Wirtschaft, sagte Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), der awp-Finanznachrichtenagentur. Die vom Mindestkurs-Ende und Franken-Schock gebeutelte Schweizer Unternehmen könnten niedrigere Exporte in den Euroraum durch höhere Ausfuhren in die Vereinigten Staaten teilweise wettmachen, dürfte die SNB hoffen.


Man muss ein wenig um die Ecke denken, um zu erkennen, dass höhere Leitzinsen in den USA den EUR/CHF-Kurs anschieben werden. Die nun anstehende historische Leitzinswende in den USA steht für eine Normalisierung der Geldpolitik, die früher oder später auch den alten Kontinent erreichen wird.

Weil die Inflationsprognosen für den Euroraum höher sind als für die Schweiz, schlussfolgern die Zinsmärkte, dass die die Europäische Zentralbank (EZB) vor der Schweizerischen Nationalbank die Geldpolitik normalisieren wird. Nicht 2016, aber 2017 dürfte die EZB etwas auf Bremspedal treten. Die Notwendigkeit der SNB eine Straffung vorzunehmen, ergibt aus dem Blickwinkel der Zinsmärkte erst 2018.

Die Diskussion über die Geldpolitik in den USA zeige, dass Zinsdifferenzen, selbst wenn sie nur erwartet werden, große Bewegungen am Währungsmarkt auslösen können, erläuterte Jordan im Gespräch mit der "Handelszeitung".

Jordan weiß: Sollten 2016 Spekulationen über ein Ende der ultralockeren EZB-Geldpolitik beginnen ins Kraut zu schießen, weil die Inflation im Euroraum stärker steigt als erwartet, wäre die SNB, trotz jahrelanger Mindestkurs-Maßlosigkeit, aus dem Schneider. Der EUR/CHF-Kurs hätte wegen der Aussicht auf eine straffere Geldpolitik im Grunde genommen keine andere Wahl als zu steigen.