Gießkannen-Anleger heben Euro auf 1,0860 Franken
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Gießkannen-Anleger heben Euro auf 1,0860 Franken

An den Finanzmärkten geht es zur Sache. Der Euro-Franken-Kurs profitiert von einem dominanten Auftritt des Euros gegenüber dem US-Dollar. Die Gemeinschaftswährung steigt im Lichte des China-Bebens auf 1,15 Dollar. Daraufhin klettert der Eurokurs auf 1,0860 Schweizer Franken. Wirkt sich die Ausverkaufstimmung an den globalen Aktienmärkten weiterhin zugunsten des Euros aus?

Um die gegenwärtige Stärkephase des Euros zu erklären, verweisen Analysten auf globale Kapitalströme. Anleger haben sich im Vorfeld des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) wegen dem nicht absehbaren Ende der Niedrigzinspolitik massiv in Euros verschuldet. Denn die Käufe von Staatsanleihen führen dazu, dass eine Zinserhöhung im Euroraum noch Jahre entfernt liegt.

Die Euros haben sie dann im Rest der Welt nach dem Gießkannen-Prinzip verteilt. Das von der EZB geschaffene Überangebot führte dazu, dass der Euro im März 2015 auf ein 13-Jahrestief bei 1,0460 Dollar abstürzte. Neben Kursgewinnen an den Aktienmärkten verbuchten Gießkannen-Anleger hohe Buchgewinne aus der vorteilhaften Wechselkursentwicklung.

Wie Fremdwährungskredit

Es ist im Prinzip wie ein Fremdwährungskredit in Schweizer Franken, mit dem man etwas verdient. Wer sich im Januar 2015, als der Euro auf 0,98 Franken sank, im Gegenwert von 100.000 Euro in Franken verschuldete, hat ein gutes Geschäft gemacht. Inzwischen, da der Euro 1,0860 Franken wert ist, muss ein solcher Kreditnehmer lediglich 90.239 Euro zurückzahlen.

Wegen des China-Bebens bekommen Gießkannen-Anleger nun kalte Füße. Sie sehen wie ihre Gewinne an den Aktienmärkten dahin schmelzen. Weil der Euro um mehr als zehn Cents auf 1,15 Dollar aufwertet, verpuffen darüber hinaus ihre Wechselkurs/Fremdwährungskredit-Gewinne.

Anders als bei Fremdwährungskreditnehmern ist die Aussitzen-Strategie keine Option. Gießkannen-Anleger verkaufen Vermögenswerte im Ausland und zahlen damit die von ihnen aufgenommenen Euro-Kredite zurück. Infolge kommt es am Devisenmarkt zu einer starken Nachfrage nach Euros, die seinen Wechselkurs nach oben treibt.

Gefährlich wird es, wenn Gießkannen-Anleger mit der Rückhohlaktion fertig sind. Dann müsste es nach Adam Riese mit dem Euro wieder bergab gehen.

Wachstumsschock

"Für den Rest des Jahres sieht es nach einer Verschlechterung der weltweiten Bedingungen aus, sodass es unwahrscheinlich ist, dass wir bei der gegenwärtigen lustlosen Wachstumsrate in Europa eine Verbesserung sehen werden", zitiert Bloomberg Alasdair Cavalla, Ökonom beim Center for Economics and Business Research in London.

Die Eurozone, allen voran Länder wie Deutschland und Italien, ist wegen ihrer hohen Abhängigkeit von der Exportwirtschaft besonders anfällig für externe Schocks. Die wirtschaftliche Erholung des Euroraums ist somit aufgrund des China-Bebens in ernster Gefahr. Die EZB müsste infolge länger als erwartet Papiergeld drucken. Der Euro würde zum Dollar und Schweizer Franken wieder abwerten.

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