Renaissance der Schuldenkrise: Euro fällt, Zinsen steigen
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Ade inoffizieller Euro-Mindestkurs bei 1,0750 Franken...>
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Renaissance der Schuldenkrise: Euro fällt, Zinsen steigen

Der Euro-Franken-Kurs ist am fallen, der Zinsunterschied zwischen deutschen und südeuropäischen Staatsanleihen weitet sich auf den höchsten Stand seit zehn Monaten aus. Allmählich wird es eng. Die-Griechenland-Krise kann die wirtschaftliche Erholung Europas zunichte zu machen. Hellas drohe ab dem 1. Juli Notstandsgebiet zu werden, warnt EU-Kommissar Günter Oettinger.

Am Devisenmarkt fällt der Eurokurs den dritten Handelstag in Folge. Im Tief wird der Euro bei 1,0415 Franken gehandelt. Damit ist die Gemeinschaftswährung anderthalb Rappen weniger wert als am vergangenen Donnerstag, als die Märkte irrtümlich eine Einigung im Schuldenstreit einpreisten.

"Die Zeit läuft ab", sagt Bundesbank-Chef Jens Weidmann bei einer Konferenz in Frankfurt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu keiner Einigung komme, nehme von Tag zu Tag zu. Auch die Zinsen von südeuropäischen Staatsanleihen nehmen von Tag zu Tag zu. Zehnjährige Papiere aus Spanien notieren mit 2,37 Prozent so hoch wie seit August 2014 nicht mehr. In Italien steigen die Zinsen auf 2,33 Prozent.

Würde die Europäische Zentralbank (EZB) die Papiere nicht kaufen und die Preisbildung beeinflussen, wären die Renditen wahrscheinlich schon bei vier Prozent. Der jüngste Anstieg der Zinsen dürfte weder auf höhere Inflationserwartungen noch auf einen verbesserten Wachstumsausblick zurückzuführen sein, sondern ausschließlich auf die Angst vor einem Euro-Austritt Griechenlands (Grexit).

Wie auf den vorangegangenen Höhepunkten der Schuldenkrise sind deutsche Bundesanleihen wieder gefragt. Ihre Kurse steigen, was im Gegenzug in den letzten Tagen zu einem Renditerückgang von 0,98 Prozent auf 0,79 Prozent führte. Die Ausweitung der Zinsen zwischen dem Norden und dem Süden des Euroraums ist ein erster Vorbote für eine Wachstumsabschwächung.

Griechenland werde bei einem Scheitern der Verhandlungen in den Bereichen Energie, Polizei und Medizin erhebliche Probleme bekommen, sagt EU-Kommissar Oettinger in Berlin. Es brauche einen Notfallplan für den Fall eines Ausscheidens Griechenlands aus der Eurozone.